Das Unternehmen
Man schrieb das Jahr 1877, als Emil Färber senior im südbadischen Villingen eine Viehhandlung aus der Taufe hob - die Urzelle der heutigen Emil Färber GmbH & Co. KG. Nur wenige Monate später entstand auch eine Metzgerei, wobei Kunden und Lieferanten aus der Region Villingen-Schwenningen stammten. Nach Emil Färber sen. folgte Emil Färber jun. im Geschäft und diesem sein Schwiegersohn Heinrich Gisinger, so dass auch heute noch - trotz der inzwischen erreichten Größe und Marktbedeutung - von einem Familienunternehmen gesprochen werden kann.Fokussierung auf die Region
Der eigentliche Aufstieg des Hauses Färber begann jedoch erst Anfang der 60er Jahre. In dieser Zeit stieß das Unternehmen unter Leitung des damaligen Hauptgesellschafters und Geschäftsführers Heinrich Gisinger in ein neues Betätigungsfeld vor: die Großschlächterei und der Fleischgroßhandel. Gleichzeitig kam es in der Fleischbranche zu einer politischen und wirtschaftlichen Veränderung des Umfeldes. Viele Kommunen entschlossen sich nämlich angesichts hoher Betriebskosten und chronischer Defizite in den Haushaltskassen dazu, den gemeindeeigenen Schlachthof zu privatisieren. Mit unternehmerischem Weitblick erkannte Heinrich Gisinger sofort, dass es möglich sein müsse, durch geschickte Organisation, sparsame Betriebsführung und Dezentralisierung der Geschäftsabläufe in verschiedenen Zerlegebetrieben und Schlachthöfen öffentliche Schlachthöfe nebst angegliedertem Fleischhandelsbetrieb auf privater Ebene erfolgreich zu führen. Folgerichtig betreibt Färber bis heute sämtliche Schlachtstätten als öffentliche Schlachthöfe mit freier Schlachthofnutzung für jeden interessierten Schlachtbetrieb.
Erfolgreiche Entwicklung
Diese privatisierten Schlachthöfe - mit der Zeit kam eine stattliche Anzahl hinzu - wurde von Anfang an vom eigentlichen Geschäft, dem Fleischhandel, getrennt betrieben. Zielsetzung des Schlachthofbetriebes ist es bis heute, nicht Gewinne zu verwirtschaften, sondern kostendeckend und jeweils nur soviel zu schlachten, wie es der aktuelle Bedarf an frischem Fleisch hervorruft.
Schon frühzeitig kam es auch zu Kooperationen mit Erzeugergemeinschaften. Dabei half die dezentrale Betriebsführung und Vieherfassung von Beginn an den landwirtschaftlichen Erzeugern, ihre Produkte günstig und schnell zu vermarkten.
1967, trat Willy Kempter als Gesellschafter in das Unternehmen ein. Von 1977 bis 1990 zeichnete er zudem als Geschäftsführer für die Firmengeschicke verantwortlich. Aus der Kooperation der beiden Unternehmer Heinrich Gisinger und Willy Kempter resultierte in den folgenden Jahren eine expansive und recht erfolgreiche Entwicklung. Beide Partner waren im übrigen nicht nur in ihrem Unternehmen, sondern darüber hinaus auch in zahlreichen berufsständischen Vereinigungen recht aktiv.
Heinrich Gisinger war unter anderem Initiator, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Großschlächterverbandes Baden-Württemberg. Willy Kempter war viele Jahre Vorsitzender des Vieh- und Fleischhandelsverbandes Baden, stellvertretender Vorsitzender des Landesmarktverbandes Baden-Württemberg sowie Vorsitzender der Bundesfachschule Vieh- und Fleisch in Neumühle.
Zusätzlich hatte er daneben immer noch die Zeit, sich privat der Förderung des Reitsports anzunehmen: Seine Tochter Sylvia war 1970 Deutsche Meisterin im Springreiten, er selbst amtierte viele Jahre lang als Präsident des Reit- und Fahrsportvereins Freiburg.Die beiden ,,Altgeschäftsführer" Heinrich Gisinger und Willy Kempter leisteten nicht nur eine beispielhafte Aufbauarbeit, sondern steuerten ihr Unternehmensschiff auch mit Bravour durch so manchen Sturm der Zeit.
Betriebsgründungen in Ostdeutschland
1990 übernahm die Emil Färber GmbH & Co. KG im Zuge der Wiedervereinigung das in Torgau/Elbe (Sachsen) ansässige Unternehmen Schlachthof Torgau GmbH. Weitere Betriebsgründungen in den neuen Bundesländern - in Annaburg, Oschatz, Luckenwalde, Neuruppin und Belgern - folgten.
Im Jahre 1992 veräußerte Heinrich Gisinger seine Gesellschaftsanteile an der ,,Färbergruppe-West" an die Familie Kempter, blieb jedoch Mehrheitsgesellschafter bei den Unternehmen in den neuen Bundesländern.
Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch eine komplette Renovierung aller heutigen Färber-Betriebe. Es war eine kräfteverschleißende Aufgabe, in möglichst kurzer Zeit sämtliche Produktionsstätten auf die strengen Anforderungen der Eu-Normen umzustellen, doch konnte sie dank eines beispielhaften Zusammenwirkens aller Beteiligten erfolgreich angegangen und bewältigt werden.
Modernisierung für 20 Millionen Euro
Insgesamt investierte Färber in den letzten Jahren rund 20 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Produktionsstätten, die Betriebe in den neuen Bundesländern nicht mitgerechnet. Nachdem die Mitarbeiter in den Geschäftsstellen teilweise monatelang auf Baustellen arbeiten mussten, sind heute alle Umbau- und Modernisierungsarbeiten erfolgreich abgeschlossen und die EU-Zulassung erteilt.
Der vorübergehende stürmische Wirtschaftsboom nach der Wiedervereinigung wurde in der Fleischbrache abgelöst durch eine schwere wirtschaftliche Rezession und große Umsatzeinbußen aufgrund andauernder negativer Presseveröffentlichungen zum Thema ,,BSE-Skandal" - eine Entwicklung, die zahlreichen kleinen und großen Betrieben in der Fleischbranche die Existenz kostete.
Mittler und Partner
Die Emil Färber GmbH & Co. KG hat all diese schwierigen Zeiten erfolgreich gemeistert. 120 Jahre nach Eröffnung der kleinen Viehhandlung in Villingen ist die Firma Emil Färber GmbH & Co. KG heute zu einem bedeutenden Unternehmen seiner Art geworden, wobei es von Anfang an Zielsetzung und Bestreben war, Mittler zwischen Landwirtschaft und Verbraucher zu sein.
Färber betreibt heute in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern insgesamt 30 Geschäftsstellen (EU-Zerlegebetriebe mit angeschlossenem Fleischmarkt) sowie 16 Schlachthöfe, die allerdings nicht als Schlachthöfe mit großen Schlachtzahlen arbeiten. Bei diesen Schlachthöfen handelt es sich vielmehr um reine Bedarfsschlachthöfe, die in erster Linie das in ihrer jeweiligen Region zur Schlachtung anfallende Vieh annehmen.
Folglich sind Bedarfsschlachthöfe in der Regel wöchentlich nur an zwei oder drei Tagen ausgelastet. Dies ist im übrigen auch der Grund dafür, dass sie nicht so preiswert wie Schlachthöfe im Produktionsgebiet arbeiten können. Die Färber-Geschäftsstellen liegen nicht in Produktionsgebieten, sondern vorwiegend in Verbrauchergebieten. Dies bedeutet, dass das vorhandene Vieh seinen Absatz fast restlos in der jeweiligen Verbraucher Region findet.
Daneben hält Färber weitere, unterschiedlich hohe Beteiligungen an Fleischhandelsunternehmen und Fleischwaren-Produktionsgesellschaften in den alten und neuen Bundesländern. Dabei handelt es sich im einzelnen um:
*Firma Bonath GmbH & Co., Obereschach und Bad Dürrheim (Schwarzwälder
Schinkenspezialitäten)
*Beteiligung an vier Fleischhandels- und Fleischproduktions-Unternehmen der
eigenständigen Gruppe Färber Ost in den neuen Bundesländern
(Torgau, Belgern, Oschatz, Neuruppin, Luckenwalde)
*weitere Beteiligungen an Fleischhandels-Betrieben
Färber beschäftigt zur Zeit 550 feste Mitarbeiter. Gesellschafter
sind die Familien Kempter und Gisinger.
Die Umsatzerwartungen für das kommende Jahr liegen bei circa 200
Millionen Euro sowie bei weiteren 40 Millionen Euro für die Gruppe Färber
Ost.



